Shires & Clydesdales

Wer diesen Pferden einmal gegenübergestanden hat, wird die Begegnung mit dem Riesen der Pferdewelt nicht vergessen; aus manchmal mehr als zwei Metern Höhe blicken die großen, sanften Augen mit den langen Wimpern auf einen herab, spielen die Ohren mit der Stimme die zu ihnen spricht. Den trockenen meist in der Nasenlinie gewölbten Kopf mit der häufig breiten Blesse, trägt ein von einer dichten, nicht selten mehrere handbreit langen Mähne, geschmückter Hals, der in einem kurzen Rücken und einer muskulösen Kruppe mit einem hoch angesetztem Schweif ausläuft.

Nahaufnahme eines Pferds

Die langen, kräftigen, geraden Gliedmaßen mit den breiten Hufen verleihen den oft über 180 cm groß werdenden Pferden bei einem Gewicht von bis zu 1000 kg oder sogar mehr, eine Eleganz und Harmonie, deren Wirkung noch verstärkt wird durch die von der Vorderfußwurzel bzw. dem Sprunggelenk, bis auf den Boden reichende Fesselbehaarung. Dieser weiche, viel Pflege erfordernde, schmeichelnde Behang umgibt die Fessel wie ein Schleier; sein leuchtendes Weiß erhöht den unnachahmlichen Reiz, den diese Pferde ausstrahlen. Sie sind die Vereinigung von Schönheit, Größe, Kraft, Ausdauer, Sanftmut und Verlässlichkeit.

Shires & Clydesdales - Die Geschichte

Die beiden Rassen haben über viele Jahrhunderte eine gemeinsame Geschichte, sie trennte sich erst vor ca. 150 Jahren, um sich dann doch im vergangenen Jahrhundert immer wieder gegenseitig mehr oder weniger offiziell zu beeinflussen.

Wilhelm der Eroberer brachte im Jahr 1066 Great Horses mit nach Britannien. Gute Hengste von etwa 150 cm Schulterhöhe, eher wie kleine Percherons als Shires oder Clydesdales, wurden in einem langsamen, alles niederwalzenden Trab gegen den Feind geritten. Die weniger guten Vertreter und die Stuten dienten als Arbeitspferde. Mit dem Verschwinden der Ritter wurde aus diesen Tieren vollends das Zug- und Arbeitspferd. Geschwindigkeit war nicht mehr wichtig, jetzt zählten Größe und Stärke.

In den östlichen Gebieten Englands entstand, gefördert durch Importe aus den Niederlanden, im 17. Jahrhundert ein Zugpferd, das Black Horse - von dunkler Farbe, derb und schwerfällig. Von den Schülern Robert Blakewells (1725-1795) aus der Region der Midlands in seiner Qualität wesentlich verbessert, wurde es allgemein als Blakewell Black bekannt. Im Jahr 1760 tauchte das „Blinde Pferd von Packington“ auf, ein Schwarzer, der zu einem der Urväter des Shire Horse wurde. In diesem Jahr beginnt die belegte Geschichte des Shire Horse.

In Schottland legte man besonderen Wert auf die Konformation der Gliedmaßen und Hufe sowie auf besonders seidigen Behang während man die Farbe der Pferde völlig außer Acht ließ. In England strebte man ein besonders groß gewachsenes, schweres Pferd mit viel Aufrichtung an, das besonders für Repräsentationszwecke auch mit einer Soliden Farbe bestechen sollte.

Während das Shire Horse innerhalb Groß Britanniens die größere Popularität der beiden Rassen geniest, begann für das Clydesdale Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ein Siegeszug um die ganze Welt. Insbesondere nach Amerika aber auch nach Australien und Neu Seeland wurden bis 1945 über 20.000 Clydesdales exportiert.

Die industrielle Revolution und die damit einhergehende zunehmende Mechanisierung in Landwirtschaft und Transportgewerbe zusammen mit den Verlusten durch die beiden Weltkriege führten jedoch schließlich in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts fast zum Aussterben dieser für ihren Arbeitseifer und ihre Kraft so berühmten sanften Riesen.

Und ähnlich unseren deutschen Kaltblutrassen ist ihr Überleben lediglich dem Enthusiasmus einzelner Züchter und dem Engagement der englischen Brauereien zu verdanken, die den Shire als Arbeits- und Repräsentationspferd vor ihren Brauerei-Fahrzeugen entdeckt hatten.

In Schottland wurde der Begriff Clydesdale Horse erstmals auf einer Landwirtschaftlichen Ausstellung um 1826 verwendet. Zu dieser Zeit gilt „Glancer“, der auch „Thompson´s Black Horse“ genannt wurde als der einflussreichste Hengst. Er stammte von einem Flandrischen Hengst ab und wird als Pferd mit einem kräftigen Körper, kurzen, starken Beinen, mit klaren Knochen und seidigem Behang beschrieben. Er hatte zwei weiße Hinterbeine.

Handel und Transport spielten ab dem 18. Jahrhundert eine bedeutende wirtschaftliche Rolle, die ohne die großen Pferde kaum möglich gewesen wäre. Besonders in den Häfen wetteiferten die Fahrer mit der Größe und Kraft ihrer Pferde. Das 19. Jahrhundert war durch steigenden Bedarf an Arbeitspferden für öffentliche Verkehrsmittel wie Busse und Straßenbahnen gekennzeichnet.

Um 1850/1860 wurden die besten englischen Stuten zu Hunderten nach Schottland verkauft, und formten dort den neuen Clydesdale. Am Ende war vom alten Blakewell Black in England nicht einmal mehr die Farbe übrig. Im Jahr 1877 wurde in Schottland die Clydesdale Horse Society und 1878 die Englische Shire Horse Society gegründet. Damit war die Trennung der beiden Rassen amtlich und zwei unterschiedliche Typen eines grundsätzlich ähnlichen Pferdes entwickelten sich.

Shires & Clydesdales – Wo liegt eigentlich der Unterschied?

Die Geschichte dieser Pferd Zeigt, dass sich die Rassen erst vor ca. 150 Jahren getrennt haben. Da wundert sich niemand über die große Ähnlichkeit. Es gibt einige Kriterien die die Rassen voneinander unterscheiden. Doch auf beiden Seiten gibt es immer wieder Pferde, die selbst ein Kenner nicht eindeutig zuordnen könnte. Der auffälligste Unterschied sind die Farben, Clydesdales haben häufig große weiße Abzeichen und auch deutlich häufiger weiße Stichelhaare über den Körper verteilt. Das Clydesdale hat klarere, trockenere Beine mit einem längeren Röhrbein als beim Shire Horse.

Pferd in Aktion

Man spricht von „High Hocks“ die prinzipiell beim Shire auch gewünscht sind. Der Behang ist beim Clydesdale feiner als beim Shire, aber nicht weniger. Das Clydesdale hat außerdem einen ausgeprägteren Winkel im Sprunggelenk und die bei beiden Rassen gewünschte enge Stellung der Hintergliedmaßen (mit parallelen Röhrbeinen) ist beim Clydesdale ausgeprägter. Shire Horses haben einen höher angesetzten Hals, häufig mit einem ausgeprägterem Schwung in der Oberlinie. Der Rücken ist beim Shire Horse etwas kürzer und der Schweifansatz häufig etwas höher als beim Clydesdale.